7 Fragen an die Kräuterpädagogin Victoria Lorenz

von Laurie Hilbig5.2.2024
Laurie liebt es, in der Natur zu sein. Ob Wanderung oder Yoga-Einheit – Hauptsache durchatmen und das „Draußen“ genießen.
Die Kräuterpädagogin trägt einen Korb-Rucksack auf dem Rücken.

Victoria Lorenz spaziert gerne über grüne Wiesen – und sie weiß auch, wie man dort kulinarische Köstlichkeiten findet. Die Kräuterpädagogin bietet sowohl Kräuterwanderungen als auch Fermentations-Workshops an.

Außerdem organisiert sie regelmäßig Dinner-Abende: Hier treffen Fine Dining und Kräuterkunde auf einem Teller zusammen. Wir haben mit Victoria über ihre Leidenschaft gesprochen.

So schön natürlich: Fine Dining mit Victoria Lorenz.Foto: Coco Gonser Photography
Hier kommt nur Frisches auf den Tisch.Foto: Coco Gonser Photography
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Liebe Victoria, du sammelst essbare Wildpflanzen wie Knospen, Kräuter oder Wurzeln. Nimm uns gern mal gedanklich mit zurück, als du damals damit begonnen hast. Was hat dich daran besonders gereizt?

Ich habe Integrative Gesundheitsförderung studiert und mich somit bereits dort mit dem Thema Gesundheit beschäftigt. Das war richtig spannend! Es ging auch viel um Stressmanagement und Meditation. Die Weiterbildung zur Kräuterpädagogin habe ich dann erst später gemacht. Man lernt dort, welche Pflanzen eigentlich um einen herum wachsen und wie ich diese bestimme. Jeder hatte seinen Schwerpunkt. Bei mir war es die Kulinarik: Die wilden Aromen der Natur. Es ist so spannend, was man in der Natur alles essen kann. Und all das for free!

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Heute gibst du verschiedene Workshops. Nicht nur für Wildkräuter, sondern auch im Bereich Fermentation. Wie hat sich deine Expertise weiterentwickelt?

In meiner Bachelorarbeit damals ging es um Darmbakterien und wie diese Übergewicht beeinflussen können. Weitere Themen meiner Arbeit waren Präbiotika und fermentiertes Essen. Das war die Zeit, zu der auch das Buch „Darm mit Charme“ auf den Markt kam und eine neue Sichtweise beleuchtet wurde. Und so bin ich zu meinen Workshops gekommen. Ich erkläre meinen Teilnehmenden unter anderem, wie man Kimchi oder wilde Limonaden herstellt und somit die eigene Darmgesundheit unterstützt.

Victoria bietet nicht nur Kräuterwanderungen, sondern auch Fermentationskurse an.Foto: Victoria Lorenz
Eine bunte Auswahl an Gemüse findet seinen Weg ins Weck-Glas.Foto: Victoria Lorenz
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Was möchtest du deinen Kursteilnehmenden grundsätzlich näherbringen?

Mir geht es vor allem darum, dass ich nicht mit erhobenem Zeigefinger vermitteln will „Du musst jetzt mehr davon essen“. Stattdessen möchte ich eine emotionale Bindung herstellen und den Blick meiner Teilnehmenden schulen, was alles um uns herum wächst. Ganz München ist voller Bärlauch, wenn die entsprechende Saison startet. Und vor allem Wildfrüchte – wie die Schlehe beispielsweise – findet man in München viel öfter, als bei mir auf dem Land. Man muss beim Suchen den gesunden Menschenverstand einsetzen, dass man nicht da pflückt, wo Hunde hin machen. Wenn man aber die Augen öffnet und auch weiter oben schaut, was dort alles wächst, dann entdeckt man, auch in Städten, sehr viel Essbares.

Tipp für Feinschmecker:innen 🧈 • Tipp für Feinschmecker:innen 🧈 • Tipp für Feinschmecker:innen 🧈 • Tipp für Feinschmecker:innen 🧈 • Tipp für Feinschmecker:innen 🧈 • Tipp für Feinschmecker:innen 🧈 • Tipp für Feinschmecker:innen 🧈 • Tipp für Feinschmecker:innen 🧈 • Tipp für Feinschmecker:innen 🧈 • Tipp für Feinschmecker:innen 🧈

🌲 Rezept für frische Fichtenbutter:

Nadelbäume schmecken richtig gut – überzeuge dich selbst! Victoria teilt das Rezept gern mit Teilnehmenden auf ihren Wanderungen.

Zutaten:
250 g Butter (auch vegane Butter ist möglich)
2-3 Esslöffel frische Fichtennadeln
1 Prise Salz

Zubereitung:
Die Fichtennadeln waschen, sehr fein schneiden oder mit einem Pürierstab kurz anmixen und unter die warme Butter heben. Eine Prise Salz dazugeben, in ein Glas füllen und im Kühlschrank ein paar Stunden lang durchziehen lassen. Die Butter kann sogar eingefroren werden.

Die meisten Nadelbäume haben ein Zitrus Aroma – bei der Fichte ist es zitronig.Foto: Victoria Lorenz
Herrlich cremig: frisch aufgeschlagene Fichtenbutter.Foto: Victoria Lorenz
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Und wie ernährst du dich selbst?

Ich esse alles. Eine Zeit lang habe ich mich vegan ernährt. Nach einer Weile habe ich gemerkt, dass es meinen Körper nicht guttut. Ich achte stark auf hohe Qualität, esse alles in Maßen und schaue, dass ich eine große Vielfalt auf meinen Teller bringe. Und die Wildkräuter habe ich dann sowieso vorrätig, wenn ich Kurse vorbereite. Die nutze ich aber eher als Highlight auf meinen Mahlzeiten. Mittlerweile weiß ich auch, wo ich die richtigen Wildkräuter finde, da darf ich in manchen Gärten pflücken. Denn leider wächst aufgrund der Monokultur bei mir auf den ländlichen Wiesen weniger als in manchen Münchner Parks.

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Gibt es etwas, das dir im Alltag besonders hilft? Was sind deine ganz persönlichen Heilmittel?

Das Wissen über all die Heilkräuter finde ich sehr wertvoll. Tinkturen und Tees helfen mir, so manch eine Erkältung zu umgehen. Mein persönlicher Schwachpunkt ist mein Hals. Wenn ich mir etwas einfange, dann ist der meist involviert. Da helfen mir besonders Kräuter, deren Schleimstoffe sich wie ein Pflaster auf meine Schleimhäute legen, wie Malve oder Lindenblüten. Auch Holunderblüten-Tee hilft gut bei Erkältungen. Meine Oma hat außerdem auf Holunderbeerensaft geschworen, das finde ich auch super. Wichtig ist, den Muttersaft ohne Zucker zu trinken.

Bei all der gesunden Ernährung ist aber auch ein gutes Stressmanagement sehr wichtig. Wenn das Thema Stress zu belastend wird, kann man sich noch so gut ernähren. Alles muss also in Balance sein.

Tee aus Holunderblüten soll gut bei Erkältungen helfen.Foto: Victoria Lorenz
Auch Lindenblätter wirken wohltuend, z. B. bei Halsschmerzen.Foto: Victoria Lorenz
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Was bedeutet es für dich, im Einklang mit der Natur zu sein?

Ich sehe sofort Pflanzen, die man pflücken kann und gerate dann in so eine Art Flow-Zustand. Andere Menschen entspannen beim Stricken, ich beim Pflanzenpflücken. Einfach weg von Social Media, all der Schnelligkeit. Lieber draußen sein und die Langsamkeit spüren.

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Wohin soll die Reise für dich gehen? Wie möchtest du dich noch weiterentwickeln?

Früher habe ich immer an eine eigene Location gedacht – jetzt möchte ich aber lieber ortsungebunden bleiben. Ich arbeite an einer kleinen Online-Akademie, möchte also mehr Menschen online erreichen.

Wovon ich auch träume, ist eine eigene TV-Show: Durch die Welt reisen und Menschen treffen, die sich mit ihren heimischen Kräutern kulinarisch auskennen. So entdecke ich nämlich Länder, wenn ich reise. Andere gehen in Museen, ich möchte die dort wachsenden Kräuter kennenlernen. In Ländern wie Kolumbien oder Costa Rica ist die Vielfalt riesig – das finde ich wahnsinnig faszinierend.

„Ich möchte eine emotionale Bindung herstellen und den Blick meiner Teilnehmenden schulen, was alles um uns herum wächst.“

Vielen Dank, liebe Victoria! Das klingt sehr spannend und wir wünschen dir weiterhin alles Gute.

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