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Naturnah und ortsunabhängig Arbeiten: 7 Fragen an Julia Trummer von „Emma Wanderer“

Co-Working umgeben von Olivenbäumen, zwischen E-Mails und Telefonaten den Blick auf die Alpen genießen oder nach dem Meeting im Atlantik surfen? Genau das macht das Remote-Work-Startup „Emma Wanderer“ mit ausgewählten Locations möglich.

von Ilka Bröskamp12.3.2025
Ausgeschlafen und bei einem frisch zubereiteten Hafermilch-Latte, schreibt Ilka leidenschaftlich gern über bewussteres Leben und Reisen.
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Liebe Julia, wie sieht „Emmas“ perfekter Arbeitstag aus?

Der perfekte Arbeitstag sieht für Emma so aus, dass sie in der Früh raus in die Natur schaut und an einem schönen Sonnentag zuerst eine kleine Wanderung auf den Berg macht, bevor sie sich hinsetzt und produktiv ihre Arbeit erledigt. Ihr wird eine gewisse Flexibilität und Eigenverantwortung gegeben, losgelöst von einem starren Nine-to-Five-Konzept. Wenn sie um drei ihre Arbeit bereits erledigt hat, soll sie nicht zwei Stunden so tun müssen, als ob, sondern sie soll Zeit für sich selbst und vielleicht ihre Familie haben.

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Wie wirken sich diese örtliche und zeitliche Flexibilität und ein Arbeitsplatz mitten in der Natur auf die eigene Arbeit, Motivation und Produktivität aus?

Es sind eigentlich die gleichen Vorteile, die das Reisen bietet. Du kommst aus deinem Alltag, deiner Komfortzone heraus und gibst Deiner Seele neue Eindrücke. Dadurch werden die Kreativität angekurbelt und auch das Teambuilding enorm gefördert. Es gibt mittlerweile viele Studien, die belegen, dass ortsunabhängiges Arbeiten einer Firma, einem Team und auch den einzelnen Personen selbst wahnsinnig viel bringen. Wenn man sich die Menschheitsgeschichte anschaut, sieht man, dass wir, bevor wir angefangen haben, sesshaft zu werden, Nomaden waren. Dieser Drang zu erkunden, rauszugehen, zu interagieren und neue Eindrücke zu gewinnen, findet gerade mit der Digitalisierung viel weniger statt. Da mal auszubrechen hat ganz viele Vorteile. Warum gehen Menschen so gern wandern? Weil die Natur mit unserem Nervensystem kommuniziert. Wir werden ruhiger, entschleunigen und können uns so auch wieder besser auf eine Sache konzentrieren.

"Um nicht nur draußen in der Natur umherzuwandern, sondern auch produktiv zu arbeiten, sollte man sich einen Zeitplan gestalten ..."
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In einer fremden, spannenden Umgebung, die ich gern erkunden möchte, kann ich aber auch schnell abgelenkt sein – wie gelingt es mir, dennoch fokussiert zu arbeiten?

Ja total, gerade Teams oder Personen, die das zum ersten Mal machen, brauchen da anfangs auch Unterstützung. Damit man eine Workation richtig nutzen kann, sollte man sich auf jeden Fall ein bisschen vorbereiten. Es braucht schon auch Disziplin und im Team lohnt es sich eine Person zu haben, die das Ganze leitet und den Überblick behält. Remote-Arbeitsmodelle verlangen immer Eigenverantwortung und Respekt gegenüber dem Arbeitgeber. Um nicht nur draußen in der Natur umherzuwandern, sondern auch produktiv zu arbeiten, sollte man sich einen Zeitplan gestalten, überlegen was man schaffen und was man wann machen möchte. Und das kann man dann in fokussierten Arbeitszeiten gezielt umsetzen.

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Wie viele Tage sollte man einplanen, um in die neue Umgebung eintauchen aber gleichzeitig effektiv arbeiten zu können?

Naja, ideal wäre es natürlich, zwei bis drei Wochen an einer Location zu sein, gerade mit Blick auf die Nachhaltigkeit. Natürlich ist das für viele aber auch eine Budgetfrage. Drei, vier oder fünf Tage sollten es schon mindestens sein. Bei diesen Zeiträumen empfehlen wir Firmen aber auch, den Mitarbeitenden anzubieten, vorher oder nachher verlängern zu können. Also drei Tage früher an- oder ein paar Tage später abzureisen. Sonst ist eine Workation, wie wir das wohl alle vor einer Reise kennen, immer auch mit Stress durch die Vorbereitungen verbunden. Bleibe ich etwas länger und kann diese Erfahrung wenigstens eine Woche genießen, relativiert sich das.

Außerdem liegen die Häuser meist in Wohnvierteln fernab von Touristen. Du lernst ganz andere Orte kennen und bekommst viel mehr Kontakt zu den Locals. Meist wissen Freunde der Hosts, dass du gerade dort bist. Gehst du dann mit dem Hund spazieren, kommst du schnell mit den Menschen ins Gespräch und gehst vielleicht sogar abends mal gemeinsam was trinken.

Und wenn du sehr tierlieb bist, aktuell aber keine Haustiere haben kannst, oder es einfach mal ausprobieren möchtest, ist Housesitting eine tolle Möglichkeit, um deinen Alltag mit Tieren zu verbringen. Ich habe immer gedacht, ich will unbedingt einen Husky. Nach einer Woche mit Husky in Norditalien finde ich die Hunde zwar immer noch unglaublich süß, würde mir selbst aber keinen anschaffen, weil sie so viel Auslauf und Beschäftigung brauchen. Aber eine Woche nach Paris zu fahren und dort mit einem Hund durch die Stadt zu spazieren – ich kann mir kaum etwas Besseres vorstellen.

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Ihr bietet aktuell Unterkünfte in Italien, Portugal und Spanien an. Wie wählt ihr eure Standorte aus?

Wir wollen besondere Orte heraussuchen. Dabei legen wir sehr viel Wert auf das Design unserer Unterkünfte und die Umgebung. Der Fokus liegt auch, aber nicht ausschließlich auf der Natur. Ein sehr wichtiges Merkmal von Emma ist, dass jede Location von A bis Z all die Rahmenbedingungen liefert – eine stabile Internetverbindung, Flexdesks, Drucker – die man zum professionellen Arbeiten braucht. Gleichzeitig ist uns wichtig, welche Menschen hinter den Properties stehen. Wenn ich heraushöre, es geht nur um Profit, interessiert uns die Unterkunft nicht, selbst wenn sie superschön ist. Unsere Partner spiegeln auch unsere Werte wider.

"Oft ist es so, dass Leute vorab fragen, was sie bei uns für Aktivitäten machen können. Sobald sie dann in der Unterkunft sind, sind diese Aktivitäten aber gar nicht mehr relevant, weil die Natur so viel hergibt."
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Plattformen wie AirBnB stehen in der Kritik, weil sie den Menschen, die vor Ort leben den ohnehin schon knappen bezahlbaren Wohnraum nehmen. Berücksichtigt ihr das bei der Wahl eurer Unterkünfte?

Ja, wir bieten beispielsweise mit unserem spanischen Partner Rooral eine Offsite in einem Bergdorf im Süden Spaniens an. Hier ist man direkt bei den Locals untergebracht, die so komplett eingebunden werden und auch Geld verdienen. Auch bei unserem ehemaligen Remote-Work-Campus in Hieflau, den wir seit Anfang 2024 nicht mehr betreiben, haben wir ursprünglich die Gemeinde mit eingebunden. Das heißt, wir haben keine Leistungen von einem großen Konzern beauftragt, beispielsweise für den Wäscheservice, sondern mit regionalen Akteur*innen und Familienbetrieben zusammengearbeitet.

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Was erwartet mich in euren Unterkünften jenseits der Arbeit?

Oft ist es so, dass Leute vorab fragen, was sie bei uns für Aktivitäten machen können. Sobald sie dann in der Unterkunft sind, sind diese Aktivitäten aber gar nicht mehr relevant, weil die Natur so viel hergibt. Man sitzt spontan draußen am Lagerfeuer, spielt Badminton auf der grünen Wiese oder genießt einfach nur die Sonne. Diese Entschleunigung, von der ich vorhin schon gesprochen habe, kennen die meisten Erwachsenen gar nicht mehr. Deshalb versuchen wir da so viel wie möglich herauszunehmen und verfolgen eher die skandinavische Herangehensweise „weniger ist mehr“. Wir bieten schon Aktivitäten an, wenn das gewünscht ist, raten aber vor allem dazu, die Umgebung einfach mal auf sich wirken zu lassen. Und das hat bisher eigentlich bei allen funktioniert.

Danke für das spannende Interview, liebe Julia!

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