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Barfuß unterwegs: 7 Fragen an die Bewegungs-Coachin Sophie Baumeister

Mit nackten Füßen auf Straßen, Waldwegen oder Bergpfaden laufen? Das ist für viele erst einmal undenkbar. Für Sophie jedoch ist das Barfuß-Gehen mittlerweile zu einer Lebenseinstellung geworden.

von Rica Hesse12.7.2023
Rica ist Redakteurin bei „Im Grünen“. Neben dem Gärtnern auf ihrem kleinen Stadtbalkon, begeistern sie DIY-, Design- und Camping-Themen.
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Liebe Sophie, erzähl' doch mal: Wer bist du und was machst du gerade?

Ich bin Sophie Baumeister und Personal Trainerin hier in Garmisch-Partenkirchen. In meinen Kursen biete ich verschiedene Kraft- und Bewegungstrainings an – und tatsächlich liegt der Fokus hier auf unseren Füßen und dem gesunden, unbeschwerten Laufen. Ich betreue Einzel- und Gruppen-Coachings, in denen ich mich gemeinsam mit meinen Kund:innen ganz individuellen Schwerpunkten widme.

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Das klingt spannend. Wie bist du zu deinem Beruf als Personal Trainerin gekommen?

Vor etwa 2,5 Jahren bin ich nach Garmisch gezogen und habe hier mit dem Wandern begonnen. Damals habe ich noch Einlagen in meinen Schuhen tragen müssen – so auch beim Wandern. Doch häufig verspürte ich bereits während der Wanderung Schmerzen in meinen Füßen. Ich konnte mir das zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht erklären, da ich ja bereits Einlagen trug. Das war der Zeitpunkt, als ich anfing, mich intensiver mit meinen Füßen zu beschäftigen. Ich informierte mich und nahm zuerst an einem Online-Kurs und anschließend an einem Freilauf-Workshop teil. So bekam ich meine Fußschmerzen in den Griff und konnte sogar wieder ohne zusätzliche Einlagen in meinen Schuhen laufen. Die Freilauf-Methode und auch das Ergebnis haben mich so fasziniert, dass ich mich anschließend selbst dazu entschlossen habe, mich auf diesem Gebiet weiterzubilden. Ich möchte den Betroffenen zeigen, dass es auch anders geht und dass gezieltes Training eine umso nachhaltigere Lösung sein kann.

„Das Barfuß-Gehen hat eine sehr entschleunigende Wirkung. Man kann intensiv in die Natur eintauchen und sich ganzheitlich mit ihr verbinden.“
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Was gefällt dir an deinem Beruf besonders gut?

Ich biete meine Kurse hauptsächlich draußen an. Das ist mir ein großes Anliegen, da ich auch selbst gern in der Natur unterwegs bin. Außerdem macht es mich sehr glücklich zu sehen, dass sich der Gesundheitszustand bei meinen Kund:innen verändert, dass sie merken, dass sie selbst etwas bewegen können und auch, dass es ihnen nach und nach immer besser geht.

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Als Personal Trainerin bietest du eigenständig Kurse an. Welche verschiedenen Möglichkeiten gibt es hier und wie kann ich mir so einen Kurs vorstellen?

Ich biete verschiedene Trainings-Einheiten an. So können Kund:innen bei mir Einzel-Coachings, Gruppen-Coachings oder ein gesondertes Waldbaden-Erlebnis buchen. Die Einzel-Coachings können mit ganz verschiedenen Schwerpunkten stattfinden, das richtet sich immer nach den Bedürfnissen meiner Kund:innen. So kann es sein, dass wir im 1:1-Coaching ausführliche Bewegungstests durchführen, gemeinsam ein Bewegungsmuster erkennen, Basis-Bewegungen verinnerlichen oder auch einfach lernen, die eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren.

Zusätzliche leite ich noch Gruppen-Coachings: eine Laufgruppe und eine Gruppe, die sich mit dem Ganzkörper-Training beschäftigt. In der Laufgruppe liegt der Fokus auf den Füßen beziehungsweise auf dem (Barfuß-)Laufen und Joggen, wobei das hier in Bayern ja eher etwas schwierig ist (lacht). Außerdem biete ich auch immer noch einige Einheiten der Fußgymnastik an: Wir aktivieren unsere Fußmuskeln und stärken unsere Füße, um Fußfehlstellungen entgegenzuwirken und auch Fußschmerzen zu lindern. Beim Ganzkörper-Training hingegen wird der gesamte Körper gekräftigt und mobilisiert – überwiegend mit dem eigenen Körpergewicht.

Das Waldbaden-Erlebnis findet ebenfalls barfuß statt. Auch hier starten wir mit der Fußgymnastik und kräftigen unsere Füße erst einmal passiv, bevor es dann barfuß in den Wald geht. Dann wandern wir gemütlich los, bleiben hin und wieder stehen und saugen die Natur einfach auf.

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Sind es denn ausschließlich Fußbeschwerden, mit denen deine Kund:innen zu dir kommen? Oder gibt es auch andere Gründe?

Die Füße sind meistens der Hauptgrund. Wobei hier zu erwähnen ist, dass der wirkliche Grund oftmals leider ein anderer ist: Nur, weil meine Füße schmerzen, heißt das nicht, dass ich zwingend auch hier ansetzen muss. Der gesamte Körper sollte immer einmal analysiert werden: Wie steht der Mensch? Wie bewegt er sich? Herrscht hier eventuell schon ein Ungleichgewicht, dass sich nur auf die Füße auswirkt?

Ich hatte tatsächlich aber auch schon eine Kundin, die aufgrund ihres Rückens zu mir kam. Sie wollte mehr Stabilität aufbauen, um wieder sicherer gehen zu können.

„Barfuß zu laufen ist ein ganz anderes Lauf-Gefühl. Man läuft, ohne sich Druck zu machen, ohne auf die Uhr zu schauen, ohne die Kilometer zu zählen. Man entwickelt so viel Freude daran, dass alles andere nebensächlich wird.“
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Ich kann mir vorstellen, dass nicht viele Menschen häufig barfuß unterwegs sind – dementsprechend hoch ist wahrscheinlich die Hemmschwelle, das erste Mal den feuchten Waldboden ohne Schuhe zu betreten, oder?

Die Hemmschwelle ist tatsächlich hoch. Allerdings gehen wir sehr langsam, sodass meine Kund:innen ausreichend Zeit haben, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Meistens finden sie es dann nach nur kurzer Zeit richtig schön. Für den Anfang suche ich immer eine Strecke heraus, die sehr gut barfuß gehbar ist. Außerdem ist es ja keine Pflicht, dass jede:r direkt zu Beginn die gesamte Zeit barfuß unterwegs ist. Mir ist sehr wichtig, dass sich hier niemand quält. Jede:r von uns hat da ein ganz eigenes Empfinden und darf selbst entscheiden, wann etwas genug ist. Die Entspannung soll ja nach wie vor im Vordergrund stehen.

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Hast du Tipps für mich, welche kleinen Übungen ich in meinen Alltag integrieren kann, um ein besseres Körpergefühl zu erfahren?

Ein guter Anfang ist es, die Schuhe zuhause auszuziehen. Das Zuhause ist das sicherste Umfeld, wo wir problemlos mit dem Barfuß-Gehen starten können.

Mir hilft es außerdem immer sehr, wenn ich mich aufrecht stelle und mich einfach mal bewege: kreisen, hocken, etwas schneller, wieder langsamer. Ich beginne bei meinen Zehen, dann kommen meine Sprunggelenke, die Knie, meine Hüfte. Mit allen Gelenken mache ich immer unterschiedliche Bewegungen, bringe sie mal in einen Winkel, in den ich sie den Tag über nicht so oft gebracht habe.

Anschließend strecke ich mich in alle Richtungen, mache mich sehr groß. Und dann gehe ich in die Hocke, mache mich klein und rolle mich zu einem Ball zusammen. Diese Übungen mache ich immer abwechselnd.

Das sind wirklich nur Basics. Insgesamt dauern die Übungen vielleicht fünf Minuten, aber sie bringen mir erstaunlich viel und lassen mich den Alltag für ein paar Augenblicke vergessen.

Vielen Dank für das Gespräch, liebe Sophie!

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