Ein Arbeitsplatz in der Natur.
Inspiration

Workation: Schreibtisch vor Strandkulisse

Sechs Wochen auf einer griechischen Insel, ohne einen Urlaubstag zu opfern? Wer sich für Workation entscheidet, bringt nicht nur Arbeit und Reisen unter einen Hut.

von Natascha Fouquet24.5.2024
Natascha interessiert, was Menschen bewegt. Das Unterwegssein bedeutet für sie: die Perspektive zu wechseln und niemals aufhören zu lernen.

Ein Tapetenwechsel kann einen gehörigen Motivations- und Kreativitätsboost bewirken. Was man bei der Planung beachten sollte? Unsere Redakteurin machte den Test.

Wie gerne hätte ich meine Siebensachen gepackt, wenn wieder jemand erzählte, er habe ein Ticket nach Lissabon, Hawaii oder das tibetische Hochland gebucht, um Wochen – oder sogar Monate – remote zu arbeiten. Insofern liebäugelte ich schon eine ganze Weile damit, es ihnen gleichzutun. Was mich noch von dem Schritt in die Workation-Auszeit abhielt? Die Frage nach der (auch finanziellen) Machbarkeit hinsichtlich Bleibe und ergonomischem Arbeitsplatz. Dem klassischen digitalen Nomaden reicht sein Notebook. Er kann selbst in Indiens Überlandzügen oder einer rummeligen Beachbar informative Blogs erstellen. Wenn man wie ich täglich mehrere Stunden konzentriert schreibt, braucht es nicht nur halbwegs arbeitsfreundliches Mobiliar und einen Ort, an dem man ungestört am Onlinemeeting teilnehmen kann. Das A und O ist eine stabile Internetverbindung. Fündig wurde ich schließlich bei Res Artis, einer Organisation, über die Kunstschaffende weltweit Unterkünfte zu moderaten Preisen finden. Als Zugehörige der schreibenden Zunft wurde ich als Kunstschaffende eingestuft – mein Glück! Mittlerweile bin ich auf der Kykladeninsel Paros angekommen: 13.700 Einwohner, 22 km lang und 15 km breit. Geplanter Zeitraum: Fünf Wochen Workation, eine Woche Urlaub. Mein fester Vorsatz: Täglich fünf Stunden texten, Interviews führen, Onlinekonferenzen, Abstimmungen mit Kunden und Kundinnen. Den Rest des Tages will ich Inselleben und griechische Küche genießen und meine verschütteten Sprachkenntnisse wieder ausgraben.

Im Inselsüden heißt mich mein kleines Natursteinhaus willkommen: zwei Zimmer, Küche, Bad, großer Schreibtisch und Terrasse. Wenn ich mich auf die Zehenspitzen stelle, kann ich noch ein Stückchen Meeresblau erkennen. Bewusst habe ich mich für die Vorsaison entschieden. Viele Strandbars und Restaurants erwachen gerade erst aus ihrem Winterschlaf. Die engen Gassen sind noch nicht von Tourist:innenscharen bevölkert, die den Blick auf die blau-weißen Postkartenmotive verstellen, die es hinter jeder Ecke zu entdecken gibt. Das Prädikat „zum Verrücktwerden schön“ trägt auch der Garten, in den ich von der Terrasse aus blicke. In den Zypressen fängt sich der Wind. Hin und wieder huscht ein neugieriger Gecko über sonnenwarme Steinmauern. Aus der Ferne schickt eine Ziegenherde das blecherne Bimmeln ihrer Glocken zu mir herauf. Wow! Dieser Ort wird für die nächsten fünf Wochen mein Zuhause sein!

Natürlich hatte ich im Vorfeld Bedenken, nicht nur, was meine Arbeitsdisziplin betrifft. Meine Bilanz nach den ersten vier Wochen: Ausschließlich großartig! Dennoch gibt es einiges, das während der Planung zu beachten ist.

Der Arbeitsplatz unserer Autorin.
Arbeitsplatz mit Ausblick.Foto: Natascha Fouquet
Mitten im Grünen: Das Ferienhaus in Griechenland.
Landidylle: Mein temporäres Zuhause im Inselsüden.Foto: Natascha Fouquet

Die Sache mit der Ablenkung

Bevor ich meine Reise antrat, war ich sicher: Täglich fünf Stunden mitten im Paradies zu arbeiten, das wird Kraft kosten. Stattdessen überrasche ich mich selbst, indem ich viel konzentrierter und produktiver arbeite als zu Hause. Die neuen Reize, die Umgebung inspirieren mich und es entsteht Raum für neue kreative Gedanken.

Good to know: Die ersten drei Tage ausschließlich dafür zu nutzen, um anzukommen, um mich einzurichten, mich in der näheren Umgebung zu orientieren und einen Großeinkauf zu erledigen, war die richtige Entscheidung. Anschließend fiel es mir wesentlich leichter, mich auf die Arbeit zu fokussieren.

Die Sache mit dem Urlaubsfaktor

Kann Urlaubsfeeling aufkommen, wenn man sein digitales Büro dabei hat? Absolut! Allein die Tatsache, dass man in paradiesischer Umgebung arbeitet, ändert alles. Ich habe mich bewusst entschieden, meine tägliche Arbeitszeit zu reduzieren. Mit meinen Kund:innen habe ich zuvor besprochen, wann ich verlässlich erreichbar bin. Wer keine Möglichkeit hat, seinen Arbeitstag flexibel zu gestalten, nutzt die Mittagspause für ein Sonnenbad, den Feierabend für Restaurantbesuche und die Wochenenden für Ausflüge.

Good to know: Nach nur wenigen Tagen haben sich neue Routinen eingestellt. Da es keinen Fernseher gibt und es schon um 20:00 Uhr stockduster ist, liege ich meist um 22:00 Uhr im Bett und werde um 6:00 Uhr von der Sonne geweckt. Um die Mittagszeit habe ich dann bereits mein Soll am Schreibtisch erfüllt.

Die Sache mit dem Internet

Für den Onlineaustausch mit Kolleg:innen und Auftraggeber:innen ist eine schnelle und vor allem verlässliche Internetverbindung Voraussetzung. Mit den Vermietenden sollte man im Vorfeld klären, wie stabil und leistungsstark die Internetverbindung TATSÄCHLICH ist. Die Realität sieht oft anders aus! Ich arbeite mit dem Router auf dem Schoß, da sich das WLAN-Signal insbesondere bei Onlinekonferenzen als recht schwach erweist.

Good to know: Vor der Anreise solltest du in Erfahrung bringen, ob in der Region häufiger mit längeren Stromausfällen zu rechnen ist. Um im nichteuropäischen Ausland hohe Roaminggebühren zu vermeiden, lohnt es sich, auf eine Prepaid-SIM-Karte des lokalen Mobilfunkproviders umzusteigen.

Die Sache mit dem technischen Equipment

Wenn man wie ich an einem Ort landet, wo sich kein Mediamarkt in erreichbarer Nähe befindet, sollte das wichtigste technische Equipment im Gepäck sein.

  • Wenn nötig, ein Adapter zum Laden deiner Elektrogeräte.

  • Eine Powerbank, mit der sich ggf. auch ein Laptop laden lässt.

  • Ein höhenverstellbarer Laptopständer.

  • Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung und Stimmisolierung erlauben auch im Strandcafé ein ungestörtes Arbeiten.


Good to know: Da ich oft mehrere Stunden täglich am PC sitze, war die Investition in einen höhenverstellbaren und leicht auseinandernehmbaren Laptopständer Gold wert und eine gute Maßnahme gegen drohende Nackenverspannungen. In Verbindung mit der externen Tastatur und Mouse habe ich extrem komfortabel arbeiten können.

Extra-Tipp: Vor Abflug alle Elektrogeräte in eine Umhängetasche packen, dann hat man bei der Sicherheitskontrolle alles zur Hand.

Die Sache mit dem Datenschutz

Wenn du Zugang zu VPN-Firmenservern hast, kläre im Vorfeld, welche Sicherheitsfragen besprochen werden müssen. Sorge dafür, dass Daten und Kontakte so gesichert sind, dass du auch im Falle eines Rechnerverlustes weiterhin Zugriff auf sie hast.

Good to know: Meine Daten liegen in einer Cloud, sodass ich diese von jedem beliebigen Gerät aus abrufen kann (Voraussetzung: Internetverbindung!). Für den Notfall habe ich meine wichtigen Ordner zusätzlich auf einem Stick gespeichert und Passwörter und Anmeldedaten ausgedruckt.

Die Sache mit den Versicherungen

Good to know: Planst du einen Auslandsaufenthalt, der länger als vier Wochen dauert, informiere dich bei deiner Unfall- und Haftpflichtversicherung sowie bei der Krankenkasse über „Arbeiten im Ausland“. Die Reisedauer hat unter Umständen auch Einfluss auf die Sozialversicherung. Kläre mit deinem Arbeitgeber rechtzeitig arbeits- und steuerrechtliche Rahmenbedingungen.

Die Sache mit der Unterkunft

Folgende Faktoren solltest du bei der Suche nach deiner Traumlocation berücksichtigen:

  • Wie groß ist die Zeitverschiebung? Ist ein Austausch mit Kund:innen oder deinem Team problemlos möglich?

  • Suchst du nach einer Unterkunft inkl. Arbeitszimmer oder befinden sich vielleicht sogar Co-Working-Spaces in der Nähe? Diese bieten für günstige Stunden- oder Tagespauschalen professionell ausgestattete Arbeitsplätze – Kontakt und Networking inklusive.

  • Für alle, die tiefer in die Kultur eintauchen möchten: Schaut nach Unterkünften mit Familienanschluss.


Good to know: Workation für Kunstschaffende: „Res Artis“ ist die führende Mitgliedsorganisation für internationale Kunstresidenzen, die es Kunstschaffenden ermöglicht, zu moderaten Preisen im Ausland zu arbeiten.

Workation – ein Motivationsbooster!

Mehrere Wochen im Ausland arbeiten – würde ich es wiederholen? Definitiv! Meine Leidenschaft fürs Reisen nicht auf die wenigen Urlaubswochen im Jahr beschränken zu müssen, empfinde ich als großes Geschenk. Mein Pensum von fünf Arbeitsstunden pro Tag halte ich problemlos ein, und erstaunlicherweise fühlt es sich hier nicht nach Arbeit an. Ich bin wesentlich konzentrierter bei der Sache und überrascht über den Motivationsschub, den der Aufenthalt im Sonneninselambiente auslöst. Was sich außerdem zeigt: Bewege ich mich aus alten Mustern und Komfortzonen heraus, können sich neue Routinen etablieren und ich beginne, in neuen Bahnen zu denken – ein enormer Kreativitätsbooster. Steckte ich am Vormittag gedanklich fest, hatte ich die Lösung meist schon am Nachmittag bei meinem ersten Eiskaffee am Meer.

Workation hat sich für mich als praktikabler und wertvoller Bestandteil einer modernen, agilen Arbeitswelt dargestellt. Wichtigste Voraussetzung ist natürlich, dass dies vom jeweiligen Team mitgetragen wird.

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